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Sonderfahrzeug des Landes im Kreis stationiert

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Die örtlichen Gegebenheiten sind ein Hauptgrund dafür, welche Art Einsatzfahrzeug bei den Feuerwehren Verwendung findet. Um den jeweiligen Gefahren in den Einsatzbereichen, für die sie vorgesehen sind, begegnen zu können, werden sie mit den erforderlichen Mitteln zur Brandbekämpfung, technischen Hilfeleistung und der Abwicklung von Rettungseinsätzen, ausgerüstet. Das Angebot an Fahrzeugen ist reichhaltig und in Bezug auf deren Ausstattung sind die Möglichkeiten schier unbegrenzt.

Die Freiwillige Feuerwehr Bad Ems verfügt über ein Fahrzeug, das es so nicht zu kaufen gibt und an dessen Entwicklung kein Ausrüster beteiligt war. Es handelt sich um ein “Tunnelrettungsfahrzeug“, eines der wohl ungewöhnlichsten Einsatzfahrzeuge bei der Feuerwehr in Rheinland-Pfalz und man kann davon ausgehen, deutschlandweit auch das einzige seiner Art. Das Vorhalten dieses Tunnelrettungsfahrzeuges machte der Bau des Malberg -Tunnels in Bad Ems in den Jahren 2000 bis 2006, erforderlich. Mit 1533 Meter ist er der längste Straßentunnel in Rheinland-Pfalz.

Der Brandbekämpfung und den Rettungsmaßnahmen im Innern des Tunnels wurden im Vorfeld der Inbetriebnahme große Bedeutung beigemessen, kamen doch 1999, ein Jahr vor Baubeginn, im Tauerntunnel (Österreich) 12 Menschen und im selben Jahr im Montblanc-Tunnel (Frankreich-Italien) mehr als 40 Personen bei Bränden ums Leben.

Auf Grund einer Gefährdungsanalyse gab das Innenministerium des Landes Rheinland-Pfalz den Auftrag zur Entwicklung und den Bau eines Tunnelrettungsfahrzeuges an die Feuerwehr- und Katastrophenschutzschule in Koblenz. Unter der Leitung von Brandoberamtsrat Walter Weber begann man ab dem Jahr 2000 mit der Entwicklung. Eingebunden in diesen Prozess waren das Innenministerium, die Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion (ADD) in Trier, Kreisfeuerwehrinspekteur Gerd Grabitzke, der Wehrleiter der Verbandsgemeinde Bad Ems, Dirk Spiegel und die Führung der Freiwilligen Feuerwehr Bad Ems mit Carsten Reifert.

Bei einer Gesamtlänge von rund 1,6 Kilometer Länge wäre das Verbringen von Lösch- und Bergungsgerät in das Innere des Tunnels zu Fuß und mit Muskelkraft zu zeitaufwendig und kraftraubend, besonders bei hohen Temperaturen im Falle eines Brandes. Auf Grund einer angenommenen Hitzeentwicklung oder durch eine mögliche Entstehung explosiver Verbindungen in Folge eines Unfalls mit Chemikalien kam die Entwicklung eines mit Verbrennungsmotor angetriebenen Fahrzeuges nicht in Frage.

Das Tunnelspezialfahrzeug, so die genaue Bezeichnung lt. Feuerwehr- und Katastrophenschutzschule Rheinland-Pfalz, sollte mit einem Elektroantrieb ausgestattet sein. Entwickelt wurde es auf der Basis eines Hako-Cargo 2000 Elektrotransporter, angetrieben von 2 Elektromotoren zu je 24V Leistungsreserven/ 480 Ah, mit denen eine Geschwindigkeit bis zu 16 km/h erreicht werden kann. Mit einer Akkuladung ist ein Einsatz von bis zu vier Stunden möglich. Es wurde ein komplett neuer Aufbau entwickelt. Ein am Fahrzeugende angebrachter Strahler kann als zusätzliche Lichtquelle an der Einsatzstelle genutzt werden. Die Fahrzeugabmessungen von 3,5 Meter auf 1,3 Meter und einem Wenderadius von 3,2 Meter erlauben es, samt Anhänger innerhalb des Tunnels zu wenden. Das Gewicht beträgt 2 Tonnen und 4 Tonnen das zulässige Gesamtgewicht.

Mehrfach wurde das Fahrzeug während des Tunnelbaus getestet. Zur Einweihung des Malberg-Tunnels am 4. November 2006 war es einsatzbereit.

Dieses Tunnelspezialfahrzeug befindet sich im Besitz des Landes Rheinland-Pfalz und ist dauerhaft bei der Feuerwehreinheit Bad Ems stationiert. Es wird auf einem Klagie Anhänger, der über eine besondere Verladevorrichtung und eine spezielle Transportsicherung verfügt, zum Einsatzort mit einem GWAS (Gerätewagen Atemschutz-Strahlenschutz), transportiert.

Mit Hilfe einer 24-Stunden-Videoüberwachung in der Tunnelzentrale kann sich der Einsatzleiter persönlich einen Überblick im Falle einer Schadenslage verschaffen und das Tunnelspezialfahrzeug mit bis zu 8 Einsatzkräften besetzen. Nur Personen mit vorheriger, besonderen Einweisung sind berechtigt das Fahrzeug zu führen. Für den Fahrer wurde eine besondere Halterung mit einem 2-Flaschengerät Atemluft und einem verlängerten Atemanschluß installiert. Im Falle eines Brandes fahren die Einsatzkräfte in persönlicher Schutzausrüstung und mit Atemschutzgeräten zur Brandstelle. Bei einem Gefahrgutunfall sind die Feuerwehrleute mit Chemikalienschutzanzügen ausgerüstet.

Tunnelrettungsfahrzeug – Foto: Bernd Bender

Auf dem GWAS befinden sich 4 Rollcontainer mit jeweils 6 Atemschutzgeräte, dazu noch 2 Rollcontainer mit 24 Ersatzflaschen.

Hat das Tunnelfahrzeug seinen Transportanhänger verlassen, wird dieser mit dem Vorrat an Atemluft beladen, an das Tunnelfahrzeug angehängt und kann jetzt als Atemschutzreserve mit zur Einsatzstelle genommen werden.
Seit der Inbetriebnahme des Malberg -Tunnels waren es immer nur kleinere technische Hilfeleistungen, zu denen die Feuerwehreinheit Bad Ems alarmiert wurde. Jedes Jahr erfolgt eine Tunnelbegehung. Hierbei werden alle sicherheitsrelevanten Einrichtungen, wie z. B. Notausgänge, überprüft und der vor Ort deponierte Vorrat an Schläuchen einschließlich der Strahlrohre wird ausgetauscht. Auch die Funksprechverbindung wird einem Test unterzogen. Alle 4 Jahre erfolgt eine Großübung, zusammen mit Feuerwehreinheiten aus der Verbandsgemeinde, zu der auch
die Schnell-Einsatz-Gruppe (SEG) des Katastrophenschutzes im Rhein-Lahn-Kreis, sowie das Technische Hilfswerk herangezogen werden.

Von verantwortlicher Seite wurden Maßnahmen getroffen, um Menschen in Gefahr helfen zu können. Das ehrenamtliche Engagement der Rettungskräfte vor Ort bildet hierfür die Grundlage, ebenso eine gute Ausbildung und modernes technisches Gerät. Dies alles zusammen trägt dazu bei, damit die mehr als 9300 Verkehrsteilnehmer, die täglich den Tunnel benutzen, mit einem guten Gefühl in den Malberg-Tunnel von Bad Ems einfahren können. (Bernd Bender)

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