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Selbstreflektion

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Sicherlich – für den fachlich interessierten Leser ist dieser Bericht natürlich nichts neues, da er schon über die verschiedensten Kanäle verbreitet wurde. Dennoch möchte ich diesen Bericht gerne nochmals unter der Überschrift Selbstreflexion weiterverbreiten, da er einem wirklich vor Augen führt, kritisch mit dem Umzugehen was gelernt, trainiert und im Ernstfall von mehr oder minder überforderten Feuerwehrleuten abverlangt wird. Es sollte immer wieder angeregt werden darüber nachzudenken, ob die neben der vermeintlich „einzig richtigen“ Taktik, nicht auch die Technik anfängt, eine Sicherheit vorzugaukeln (KLF mit 2PA im Erstschlag *sic*) mit der solche Ereignisse nicht ansatzweise zu beherrschen sind. Ist die umgesetzte Konzeption von Material überhaupt noch sinnvoll oder zeitgemäß? Reicht der Optimismus mit dem berühmten „Das haben wir schon immer so gemacht“ dazu aus, dass alle wieder sicher nach Hause kommen? Nunja…hier erst mal das Video:

Der Einsatzbericht zu dem Ereignis:

Am frühen Abend des 30.12.2016 wurde die Berufsfeuerwehr und die Freiwillige Feuerwehr Eversburg zu einem Saunabrand in einem Fitnessclub im Osnabrücker Hafen gerufen. Bei einer ersten Erkundung ergab sich eine leichte Verqualmung, die Gäste des Clubs hatten das Gebäude bereits evakuiert. Der beste Angriffsweg zu der Sauna war ein seitlicher Eingang, dort wird ein Innenangriff vorbereitet, parallel dazu wurde die Brand- / und Rauchausbreitung zwischen Sauna- und Fitnessbereich verhindert.

Beim Vorgehen des ersten Trupps kam es zu deutlichen Zunahme der Verrauchung und dann zu einer Durchzündung, die zwar erwartet worden ist – aber nicht in der Heftigkeit. Dabei wurden 2 Trupps zu Boden geworfen und zwei Kollegen ohne Atemschutzgerät durch Einatmen von Rauchgasen verletzt, als sie den Kollegen helfen wollten.

Danach wurde erstmal ein Außenangriff mit 2 C-Rohren durchgeführt bis die 2 x 400 l/min ein wenig Wirkung zeigten und ein zweiter Angriffsversuch durchgeführt werden konnte. Dabei kam es, kurz nach dem der Trupp den Brandherd erreicht hat, zu einer zweiten, noch heftigeren Durchzündung, bei dem mehrere Trockenbauwände im Gebäude einstürzten.

An dem Punkt wurde der Innenangriff abgebrochen und ein Außenangriff vorbereitet, was im Endeffekt bedeutet, dass man das Objekt aufgibt. Aber es war wohl beim letzten Innenangriff gelungen, die Kraft des Feuers zu brechen und mit einem dritten Angriffsversuch nach einigen Minuten konnte das Feuer unter Kontrolle gebracht werden – und das Gebäude konnte so knapp gerettet werden.

Parallel dazu wurden die 40 Gästen des Clubs versorgt und in einem bereitgestellten Linienbus versorgt. Neben den beiden Kollegen wurde auch ein Besucher des Clubs verletzt. Im Einsatz waren neben der Berufsfeuerwehr die freiwilligen Feuerwehren Stadtmitte, Eversburg und Haste, die ELW-Besatzung und zwei ehrenamtlich besetzte Rettungswagen der SEG Rettung. Die Feuerwache wurde durch die FF Neustadt und dienstfreies Personal der Berufsfeuerwehr eingesetzt. Im Einsatz waren 90 Einsatzkräfte unter der Leitung von Branddirektor Dietrich Bettenbrock.

Jan Südmersen – Feuerwehr Osnabrück, Foto: Swaantje Hehmann

Die oben angesprochene Selbstreflexion erfolgt durch Jan, in seiner ausgesprochen einmaligen Art, in einem weiteren Artikel. Hier erfolgt zusammenfassend in Grundzügen genau das, was ich versucht habe am Anfang zu beschreiben:

Meine Erkenntnisse, die vorher auch schon präsent waren, sich aber noch einmal deutlich bestätigt haben: Es macht einen Unterschied, ob du in einem fast leeren Schiffscontainer eine fast lachhafte Brandlast (von Gasbefeuerung ganz zu schweigen) mit irgendwelchen abgefahrenen Pinsel-/Spritz-/Impulstechniken bekämpfst oder ob du ein fieses Feuer mit einer potentiell mörderischen Heizwert in einem fast unbekannten Gebäude ausmachen willst. Was da zählt ist ein wenig Technik, viel gesunder Feuerwehrverstand, ein wenig Mumm und ein gewaltiger Wasserhammer um dem Feuer kräftig die Fresse zu polieren. Es macht einen Unterschied ob du Brandversuche unter Laborbedingungen bzw. Realbrandausbildung machst – im “realen Leben” kommen noch unendlich viele Faktoren und Stressoren, ein Übermaß an unwichtigen Informationen und ein Mangel an wichtigen Informationen dazu, so dass du an vielen Stellen gezwungen bist, neben Führungskreislauf, Merkwörtern und Taktikgrundsätzen auch aus dem Bauch oder aus deiner Erfahrung heraus Entscheidungen zu treffen. Weniger ist oft mehr. Antiventilation, 3D-Löschangriff, CAFS, Shark, Transitional Attack, PPA, PPV qualifizierter Außenangriff: Alles gut und schön. Und sicher gibt es für jede Technik auch eine Situation, in der sie ideal ist. Aber man wird die seltenst erkennen. Und dann müssen deine Leute auch noch genau wissen, was du willst und was sie machen sollen. Klar gibt es da draußen jede Menge Klugscheißer, die mal ne Woche in Schweden im Container gesessen haben und jetzt als Feuerwehr-Messias durch die Lande tingeln. (Ich ja auch ;-). Aber wie viele von denen haben reale Feuer so ausgemacht? Nicht im Container oder im Computer? Wie viele sind so selbstkritisch genug um sich nicht immer exotischere Techniken auszudenken oder abzugucken sondern Strategien zu entwickeln, die auch dem leidlich ausgebildeten Kollegen in diesen verdammt komplexen Situationen ein Handlungsinstrumentarium zu geben, mit denen man einigermaßen effektiv und sicher arbeiten kann?
Den wesentlichste Unterschied machen aber die Menschen, mit denen du zusammenarbeitest. Wenn sie nicht einigermaßen gut ausgebildet sind, wenn sie dir nicht vertrauen, wenn sie keinen Biss haben, wenn sie nicht auch ungefähr so irre sind wie du: Dann kannst du dir bei so einem Feuer den Hintern aufreißen und es wird trotzdem grandios in die Hose gehen. Sie sind der Unterschied bei sooo vielen Dingen. Was kann dieser Job – insbesondere mit solchen Typen – doch für ein Privileg sein

Den kompletten Artikel findet man hier auf Facebook:

Posted by Feuerwehrhandwerk on Sonntag, 1. Januar 2017

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