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Jetzt ist es doch passiert…

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Rheinland-Pfalz hat eine (oder die Erste?) Pflichtfeuerwehr.

Wie die Rhein-Zeitung berichtet ist in Tiefenthal/Bad Kreuznach nun doch die Realität* eingekehrt:

Weil die Einsatzfähigkeit aus der eigenen Bevölkerung auf freiwilliger Basis nicht mehr zu gewährleisten ist, sollen die Bürger des 140-Einwohnerdorfs Tiefenthal nun zum Dienst an der Spritze zwangsverpflichtet werden. Ihnen stehen Einberufungsbescheide ins Haus.
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Fokus-online titelt etwas reißerischer:

„Wie bei der Bundeswehr“
Von wegen „freiwillige“ Feuerwehr: Das kleine Dorf Tiefenthal will seine Einwohner zum Löschen zwingen. Die Feuerwehr hat bislang nur zwei Aktive. Jetzt werden „Einberufungsbescheide“ verschickt.
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*Was meine ich mit Realität in diesem Zusammenhang? Nun das Feuerwehrwesen wird in Deutschland mit zwei Problemen konfrontiert, die letztendlich einschneidende Veränderungen hervorbringen wird.

Auf der einen Seite ist das ehrenamtliche Engagement der Bürger – immer weniger sind bereit Freizeit für die Allgemeinheit zu opfern. Von Anwerbekampagnen  in einem 140 Seelen Ort wird dort berichtet und trotzdem nur zwei Leute die aktiv zur Verfügung stehen. Ist das zu glauben?

Es gibt in Deutschland ca. 1,1 Mio. Feuerwehrleute, denen 81,9 Millionen Einwohner gegenüberstehen. Das heißt, ungefähr jeder 75. Einwohner in unserem Land hat irgendwie mit Feuerwehr zu tun. Schau ich mir nun den kleinen Ort an, dann liegt dieser mit 140 Einwohnern genau im Schnitt – Vielleicht weit her geholt, aber ich glaube nicht, dass groß angelegte Imagekampagnen diesen Zustand verbessern werden. Hat in Tiefenthal wohl auch nicht wirklich funktioniert.

Also greift man nun zum vorgesehen Hammer um die gesetzlichen Vorgaben zu erfüllen, eigentlich sehr löblich oder? Auf den ersten Blick ist dem Gesetz genüge getan,  aber kann ich mich auf eine solche Einheit im statistisch eher unwahrscheinlichen Ernstfall denn auch verlassen? In Anbetracht des notwendigen Zeitbedarfs für Ausbildung und stetige Weiterbildung, die erforderlich wäre, um im Einsatzfall WIRKSAME Hilfe einleiten zu können lässt dies in mir starke Zweifel aufkommen.

Das zweite große Problem ist die Finanzlage der Kommunen. Hier wird schnell auf den Prüfstand gestellt, kann und muss ich mir soviel Feuerwehr überhaupt leisten? Über Hilfsfristen wird diskutiert, genauso wie über notwendige Mindestausrüstungen. Der finanzielle Aspekt ist heutzutage einfach nicht mehr von der Hand zu weisen und es ist dem Bürger nicht zu vermitteln warum für dieses oder jenes schon wieder Geld ausgegeben werden muss, wenn auf der anderen Seite z.B. Schulsysteme kaputt reformiert werden.

Was hat Geld und Motivation miteinander zu tun oder was fehlt denn nun? Vielleicht ist es schlicht und einfach die Attraktivität? Nur so lässt sich auch erklären warum wohl zwei Gemeindemitglieder bei anderen Wehren im Umkreis Dienst tun. Muss ich auf Teufel komm raus Einheiten erhalten, die schlecht ausgerüstet und schlecht motiviert sind? Zumeist wird nur der betriebswirtschaftliche Einwurf bei Diskussionen über Feuerwehrstandorte zerredet, aber eine gut funktionierende Einheit besteht bekannter Massen aus Mannschaft und Gerät. Zwangszusammenlegungen aus finanziellen sowie Pflichtfeuerwehren aus menschlichen Gründen können nicht die Mittel der Wahl sein, da hier immer nur ein Aspekt scheinbar geheilt ist. Was wir brauchen sind funktionierende Konzeptionen die auch langfristig schnelle und kompetente Hilfe im Notfall garantieren.

Stefan Jurgahn

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