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Emotionaler Dialog über Atemschutz und „Hipsterbärte“

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Ein Beitrag in der aktuellen Hessenschau aus Bad Hersfeld erregt momentan die Gemüter. Der Anlass ist ein Aufruf der Kreisbrandinspektorin Tanja Dittmar sich als Feuerwehrmann zu rasieren:

Hipsterbärte ab, Männer! Zu viele Hipsterbärte gefährden die Einsatzbereitschaft der Feuerwehren in Bad Hersfeld. Kreisbrandinspektorin Tanja Dittmar hat darum die Männer zur Rasur aufgerufen. „Richtige Männer brauchen keinen Bart!“

„Jahrelang war das keine große Sache. In der letzten Zeit sind Vollbärte und Drei-Tage-Bärte aber wieder modern. Darum haben wir immer wieder Ausfälle. Ich wollte einfach an die ausgebildeten Atemschutzgeräteträger appellieren, dass sie ihr selbstgewähltes Ehrenamt von der Wertschätzung vielleicht doch etwas höher ansetzen als ihr Erscheinungsbild als modischer Hipster.“

Quelle: hessenschau

An sich sollte es über die Tatsache, dass Bartträger keinen Atemschutz tragen können keine Diskussion geben. Auch die FwDV 7 sagt völlig klar aus, dass Einsatzkräfte mit Bart oder Koteletten im Bereich der Dichtlinie von Atemanschlüssen sind für das Tragen von Atemschutzgeräten ungeeignet sind.

Stein des Anstoßes ist aber nun, dass die Einsatzbereitschaft ganzer Feuerwehren durch einzelne Bartträger gefährdet sei. „Wenn man ein ausgebildeter und fitter Atemschutzgeräteträger sei, könnte man doch auf dieses Attribut der Männlichkeit verzichten“, um die Inspektorin hier weiter zu zitieren.

Es ist nun auch nach der FwDV7 jedem selbst überlassen, ob er nun für Atemschutzeinsätze zur Verfügung steht oder nicht. Jedem Einzelnen hier nun vorzuwerfen, dass er die Einsatzbereitschaft der Feuerwehr gefährdet, nur weil er einen Bart trägt, halte ich schon für sehr weit hergeholt und schränkt auch das Selbstbestimmungsrecht des Einzelnen ein. Weiter wird hier von Wertschätzung des Ehrenamtes gesprochen, bei der man natürlich dann auch schnell andere Diskussionsfelder aufmachen kann. Zum Bespiel: Schön dass der Träger der Feuerwehr um meine Gesundheit besorgt ist. Was tut er den alles um den Freiwilligen vor Gesundheitsgefahren zu schützen? Vernünftige PSA, Ausbildungsmöglichkeiten, Fitnessförderung, Dekontaminationskonzepte wie Wechselkleidung, Möglichkeiten sich wenigstens nach dem Einsatz zu Waschen und zu Duschen?  Ein Geben und Nehmen…

Verständlich das Frau Dittmer die Einsatzbereitschaft am Herzen liegt, dass ist schließlich auch eine der Ihr übertragenen Aufgaben. Auch der Appell ist gut gemeint, aber das Grundproblem sind nicht die Bärte, sondern dass einfach nicht genügend ausgebildete und körperlich fitte Einsatzkräfte zur Verfügung stehen!

Was meint Ihr? Diskussion ausdrücklich erwünscht!

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1 Kommentar

  1. Marco Herrmann am

    Grundproblem ist nicht das Fehlen von AGT, sondern von freiwilligen Feuerwehrleuten generell. Wenn an die Willigen dann noch derartige Appelle gerichtet werden – auch wenn sie gut gemeint sind – schreckt das den ein oder anderen wahrscheinlich eher ab, wenn er schlichtweg an seinem Bart festhält. Auch als AGT bin ich eigenverantwortlich. Ich trage auch nen Bart, aber so dass die Maske dicht bleibt. Hab ich mich mal nicht rasiert, helfe ich halt mal nicht als AGT, sondern anderweitig aus. Feuerwehren, denen es wegen eines solchen Themas an AGT mangelt, haben eher ein generelles Personalproblem, um das sich noch immer viel zu wenig gekümmert wird.

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