Ärger um Neubau des Feuerwehrgerätehaus in St. Goarshausen

0

St. Goarshausen. In allen regionalen Medien wurde bereits über das Dilemma um den Neubau des Feuerwehrgerätehauses in St. Goarshausen berichtet. Sogar das deutschlandweite Feuerwehr Magazin berichtete über den Frust der Kameraden am Mittelrhein.

Auch wir wollen kurz zusammenfassen, was bisher geschehen ist. Bereits seit den 1970er Jahren wird über einen Neubau des Feuerwehrgerätehauses der Stützpunktfeuerwehr an der Loreley gesprochen. Es hat immer wieder mal Planungen, Grundstücksuchen und Kostenermittlungen gegeben. Nun hatte man endlich in St. Goarshausen ein Grundstück gefunden und auch die Finanzierung schien machbar. Das Grundstück eines ehemaligen Busunternehmen schien geeignet. Auch wenn die Kosten für die Baureifmachung sehr hoch schienen, so konnte man mit dem Grundstück drei Effekte erreichen. Ein unschöner Anblick im Stadtbild sollte verschwinden, die Feuerwehr würde einen günstigen Standort bekommen und aus Mitteln eines Programmes zur Stadtsanierung des Landes würde der größte Kostenanteil übernommen. Hier trat dann aber der Landesrechnungshof auf den Plan und erteilte dem „überzogenen“ Vorhaben eine Absage. Das Grundstück sei überteuert und der Kaufvertrag dafür sei rückgängig zu machen. Nun stehen Stadt und Verbandsgemeinde vor einem Dilemma. Sie haben endlich ein Grundstück gefunden, was bei der Topografie der Gemeinde nicht einfach war. Dessen Kauf sollen sie aber rückgängig machen, da die Kosten unverhältnismäßig hoch seien. Es gibt also wieder eine weitere Hängepartie für die Feuerwehr.

Die Lage der Gemeinde direkt am Rhein in einem engen Tal macht die Grundstücksuche schwierig. Es gibt schlichtweg keine grüne Wiese auf der man kostengünstig bauen kann. Die Planungen für ein neues Gebäude richten sich an den Vorgaben für neue Feuerwehrgerätehäuser und sind keineswegs überzogen. Alleine die Baureifmachung des Grundstückes eines ehemaligen Busunternehmens, lassen die Kosten nach oben schnellen. Dies will der Landesrechnungshof nicht akzeptieren, hat aber nun angekündigt, noch einmal vor Ort alle Unterlagen und Fakten zu prüfen.

Denn eigentlich bräuchte die Feuerwehr dringend eine neue Unterkunft. Überall ist das Gebäude marode. Alles zu eng und feucht. Der SWR vergleicht die Räumlichkeiten mit einer Folterkammer die gut in einen Horrorfilm passen könnte. Feuerwehrmitglied Ralf Reckermann spricht im Video von einem Loch. Die engen Fahrzeugstellplätze sind längst nicht mehr zumutbar und es stellt sich die Frage nach dem Schutz der Einsatzkräfte. Der Bogen des rechtlich zulässigem scheint schon längst überspannt.

Die Wehrleute beklagen in einem offenem Brief die fehlende Kommunikation und eine regelgerechte und zielorientierte Betreuung des Projektes durch den Aufgabenträger. In diesem Fall die Verbandsgemeinde Loreley, vertreten durch Bürgermeister, Werner Groß (CDU). Die Wehr schreibt wörtlich. „Daraus resultiert, dass wir uns zum Spielball zwischen den am Bau beteiligten Akteuren Verbandsgemeinde (als Aufgabenträger) und Innenministerium (als Zuschussgeber) degradiert fühlen.“. Harte Anschuldigungen die in Zeiten desBürgermeisterwahlkampf noch mal an Brisanz gewinnen. Groß Gegenkandidat ist Mike Weiland, der für die SPD als Bürgermeisterkandidat antritt. Weiland ist derzeit Büroleiter von Innenminister Lewenz. Das Thema Feuerwache St. Goarshausen bringt nun Dampf in den Wahlkampf.

Die Wehrleute am Rhein erhalten viel Zuspruch von Kameraden aus der ganzen Region und dem Bund. In Foren findet man viele Kommentare. Ein Thema was den Zeitgeist vieler freiwilliger Feuerwehrleute trifft, die sich nicht mehr einfach zum Spielball der Politik machen lassen wollen und deutlich sagen was sie denken. Der Druck nimmt zu. Immer mehr Aufgaben, immer mehr Verantwortung, mehr Einsätze und schwindendes Personal. Allerorten wird über Prämien und Anerkennungen für die freiwilligen nachgedacht. Doch oft fehlt es zuerst an den wichtigsten Dingen. Einer ordentlichen Unterkunft und Ausrüstung, die dem Feuerwehrdienst angemessen ist und den Kameradinnen und Kameraden Schutz, Geborgenheit und Freude im Dienst gibt.

Im offenen Brief beklagt die Feuerwehr nicht nur den Informationsfluss, sondern auch, daß sie nicht vollumfänglich in die Planung eingebunden werden. Dabei haben sie selbst für den geplanten Standort Vorschläge für die Reduzierung des geplanten Raumes gemacht, um die Kosten zu drücken.

Es stellt sich die Frage, warum es Vorgaben und Normen für Feuerwehrgerätehäuser gibt, wenn diese oft nicht eingehalten und umgangen werden? Kostenersparnis auf Kosten der Feuerwehrmitglieder? Wenn man so manchen Kommunalpolitiker hört, ist das Feuerwehrwesen bei uns zu aufgebläht und zu teuer. Viele Standorte, viele Fahrzeuge und Ausrüstung für hunderte Feuerwehrleute. Da kommt auch schon mal der Gedanke an eine Berufsfeuerwehr auf. Aber hat sich jemand von denen mal überlegt, was dies tatsächlich an Kostet bedeutet. Mit wie wenigen Berufsfeuerwehren käme eine Verbandsgemeinde wie z.B. die VG Loreley aus? Zwei oder drei um das gesamte VG Gebiet adäquat abzudecken?

Alleine die Personalkosten würden jedenfalls mehrere Millionen Euro im Jahr betragen. Es würden sich Chancen ergeben um in manchen Bereichen den Schutz zu verbessern. Für viele Bereiche einer Gemeinde würden sich die Hilfsfristen jedoch verlängern. Auch stellt sich die Frage ob die wenigen Berufsfeuerwehrleute bei Flächenschadenslagen, wie Unwettern und Hochwasser, die vielen Hilfeersuchen bedienen könnten.

Die Mitglieder der freiwilligen Feuerwehren möchten gerne bei der Entwicklung „ihrer“ Organisation der Freiw. Feuerwehr mitgenommen werden. Dies haben sie auch für ihren jahrzehntelangen ehrenamtlichen und aufopferungsvollen Einsatz verdient. Miteinander Reden und Probleme lösen bietet sich an, statt von oben zu entscheiden. Auch wird immer wieder im hohem Maße Eigenleistung gefordert, um Kosten zu sparen. Sei es bei der Wartung von Geräten oder dem Um-, An- und Ausbau von Unterkünften. Zusätzlich geben die Fördervereine viel Geld in die Ausrüstung der Feuerwehr. Geld was auch wiederum die Feuerwehrleute selbst durch Mitgliedsbeiträge und das Ausrichten von Festen angespart haben. Irgendwann ist jedoch jede ehrenamtliche Geduld erschöpft und es findet sich keine Bereitschaft mehr, dies alles hinzunehmen.

Den Kameraden wünschen wir, daß die öffentliche Präsenz des Themas, nun zum Erfolg führt. Es wäre schade, wenn alle Bekundungen und Zusagen nach der Wahl, wie so oft, verpuffen würden.

Fernsehbericht des SWR:
https://www.swrfernsehen.de/zur-sache-rp/Wut-und-Frust-bei-Feuerwehr-St,av-o1197908-100.html

Alle Dokumente sind hier zu finden:
https://www.feuerwehr-sankt-goarshausen.de/index.php/12-aktuelles/165-offener-brief-der-mannschaft-zum-thema-geraetehaus

Teilen.

Einen Kommentar schreiben