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Quo Vadis „Freiwillige Feuerwehr“

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Die Freiwilligen Feuerwehren stehen vor einem großen Wandel. Die Zahlen der ehrenamtlichen nehmen ab und die Belastungen durch Ausbildung und Einsätze nehmen stetig zu. Der Finanzdruck der Kommunen wird größer und so versuchen die Verantwortlichen Lösungen zu finden.  Gut beraten ist wer sich die ehrenamtlichen auf diesem Weg mit ins Boot nimmt.

Teilweise weit über hundert Jahre funktioniert schon die Organisation des Feuerwehrwesens in unseren ländlich geprägten Strukturen. Ohne lange zu Fragen, gebeten zu werden oder ein Dankeschön zu erwarten, waren die billigen Einsatzkräfte zum Schutz der Bevölkerung da. Nun beginnt vielerorts eine Umgestaltung der örtlichen Hilfe. Immer mehr wird hierbei auch auf hauptamtliche Mitarbeiter gesetzt. Speziell in unserem Kreis wurde mit Guido Erler der erste hauptamtliche Kreisfeuerwehrinspekteur installiert.

Nehme ich die Menschen nicht mit, so wenden sie sich ab

 Aktuell liest man immer mehr Berichte mit einer Überschrift wie „Es brennt unter dem Dach der Feuerwehr“ oder so ähnlich. Kürzlich traten in Pirmasens von rund 90 Wehrleuten rund die Hälfte nach einem Streit mit der Stadt aus der Feuerwehr aus. Grund war der Plan der Verwaltung einen neuen hauptamtlichen Feuerwehrchef einzusetzen. War der Plan, dadurch das Ehrenamt zu entlasten mit Sicherheit gut gemeint, so ging der Schuss gehörig nach hinten los. Die ehrenamtlichen fühlten sich bei der Entscheidungsfindung aussen vor und rebellierten. Ergebnis war eine gespaltene Mannschaft und eine verunsicherte Bevölkerung, die um darum fürchtete im Notfall ohne schnelle Hilfe zu sein.

Der neuste Streit ist und nun in Bad Kreuznach aktuell in den Schlagzeilen. Schon vor einiger Zeit wurde hier eine hauptamtliche Wehrleiterin eingestellt. Wie man aus der Presse entnehmen kann (Verlinkungen am Ende des Berichtes), fühlen sich die freiwilligen Feuerwehrangehörigen von der städtischen Bediensteten als Wehrleiterin nicht gut vertreten. Übel aufgestoßen ist wohl auch vielen der kostenlosen Feuerwehrkräfte auch, daß die hauptamtliche Wehrleiterin auch noch einen hohen Betrag für Bereitschaftszeiten bei der Stadt einklagte. So sei das frühere Wir-Gefühl beschädigt, weil die Wehrleiterin von „Ihr“ spreche wenn sie die freiwilligen Feuerwehrleute meine. So lässt sich natürlich ein gemeinsames Handeln in einer Gemeinschaft nicht erlebbar machen.

Erwartet man von einer hauptamtlichen Wehrleiterin das sie alle Einheiten gleich behandelt und deren Entwicklung fördert, so beklagt man in Bad Kreuznach wohl die Bevorzugung einzelner Führungskräfte und Einheiten. Dies spaltet!

Die Stadt steuert nun dagegen und hat ein Gespräch angesetzt. Wie man lesen kann wurden wohl auch Berater einer Unternehmensberatung hier hinzugezogen. Der Lösungsansatz, künftig wolle man besser kommunizieren und mit Wertschätzung Kommunizieren. Wertschätzung wem gegenüber, den freiwilligen Kräften? Gut das macht Sinn und ist eine gute Erkenntnis. Da gibt es noch die wenigen Bürger unserer Gesellschaft, die ohne zu Fragen nach Geld und Anerkennung einfach da sind, ohne Bereitschaftszeiten anzurechnen oder einzuklagen. Die Ehrenamtlichen, egal welcher Organisation.  Die man führen kann ohne hier sich teurer Berater oder Rechtsbestände zu bedienen müssen. Wenngleich man auch sagen muss, daß es immer mehr Funktionen geben wird, die das Ehrenamt irgendwann nicht mehr leisten kann. Schade in diesem Zusammenhang, daß sich nicht alle Kommunen im Rhein-Lahn Kreis an einer gemeinsamen Feuerwehrwerkstatt beteiligt haben. Und hier waren nicht nur die politischen Vertreter an der Entscheidungsfindung beteiligt.

Dann kommt ein lange schon funktionierendes System ins Wanken

Auch anderen Orts gibt es immer wieder Konfliktpunkte, wenn Personal aber auch Geld fehlt. Hier lohnt der Blick auf die andere Rheinseite nach Boppard.
Ehrenamtliche quittieren ihren Dienst den sie so lange mit Herzblut gemacht haben. Aber warum? Sie stumpfen eine Zeit lang ab, nehmen vieles hin, aber irgendwann läuft das Fass über. Dann, wenn Sie bei Entscheidungen nicht mitgenommen werden! Beschaffungen aufgeschoben oder nur das aller Nötigste gekauft wird. Die Zustände in alten, kalten und zu engen Gerätehäusern nicht mehr tragbar sind. Die Schutzausrüstung nicht ausreichend ist. Wenn für die Feuerwehr immer nur das billigste gut genug ist, während an anderer Stelle das Geld zu Fenster vermeintlich rausfliegt. Dann ist Feuer unter dem Dach der Feuerwehren. Dann kommt ein System ins wanken, welches weit über 100 Jahre gut funktioniert hat. Unserefreiwillige Feuerwehr. Gemeinsam „Gott zur Ehr, dem nächsten zur Wehr“.

Eigentlich ein guter Schlusssatz, aber ohne einen Lösungsansatz möchte ich nicht schließen.

Also was können wir tun? Beide Seiten, also die Verantwortlichen für den Brandschutz und die Freiwilligen, müssen konstruktiv und wertschätzend zusammenarbeiten. Gemeinsam müssen Lösungsansätze erarbeitet werden. Hierbei müssen die freiwilligen Kräfte einbezogen werden und sie sollten auch mit Willen konstruktiv mitarbeiten. Ob Personalprobleme, Investitionsstau, Beschaffungen oder andere Probleme. Oft helfen die Ehrenamtlichen fleißig im Lösungsansatz mit. Sie bringen sich aktiv in Beschaffungsprozesse ein und bringen wichtige Erfahrungen mit, die im Beschaffungsprozess wichtig sind und auch Geld sparen.

Nicht ist immer gesagt, daß externe Berater hier die besseren Ratgeber sind. Förderverein und damit auch wieder freiwilligen Feuerwehrleute selbst, helfen wichtige Ausrüstungen zu finanzieren. Oft, manchmal auch zu oft, packen die Ehrenamtlichen Kräfte an und bauen teile Ihrer Unterkünfte selbst. Dies ohne auf ein Danke zu hoffen, oder nach einer Bezahlung zu Fragen. Aber etwas Wertschätzung durch die politisch handelnden und jeden einzelnen Bürger, für den die freiwilligen Feuerwehren jede Minute im Jahr da sind, das würde die Motivation stärken. Wertschätzung und Förderung der Mitgliedschaft in der Feuerwehr durch Arbeitgeber könnte so manches Personalproblem lösen.

Zum Schluss noch zu unseren Vorgaben die das Ehrenamt im Brandschutz erschweren. Das Feuerwehrwesen muss von Aufgaben befreit werden, die nicht zum Kern der allgemeinen Hilfe und dem Brandschutz gehören. Die Ausbildung der Einsatzkräfte muss in der heutigen Zeit an den Menschen und nicht den Verwaltungsabläufen orientiert werden. Die Ausbildung muss straffer, moderner und flexibler gestaltet werden. Veränderungen sind wie überall im Leben, auch bei der Feuerwehr notwendig. Dabei müssen wie bereits gesagt, die bisher ehrenamtlich tätigen Menschen mitgenommen und deren Belangen berücksichtigt werden.

Wenn die Rahmenbedingungen stimmen und das Gerät in einem guten Zustand ist, dann passt auch die Mannschaft und so manche Auseinandersetzung bleibt uns erspart.

(Kommentar zu aktuellen Geschehnissen im Feuerwehrwesen von Rheinland-Pfalz von Michael Dexheimer)

 

Links

Bad-Kreuznach

http://www.hanz-online.de/de/top_news/löschversuch-feuerwehr-und-verwaltung-wagen-mit-we_jhar50ua.html?s=PWegK0Eo06eFU5oZRL 

Boppard- Buchholz

https://www.swr.de/swraktuell/rp/koblenz/viele-feuerwehrleute-aus-boppard-buchholz-quittieren-den-dienst-wegen-mangelhafter-ausruestung/-/id=1642/did=19747510/nid=1642/1vrn6ni/index.html 

Primasens

https://www.swr.de/swraktuell/rheinland-pfalz/kaiserslautern/Freiwillige-Feuerwehr-Pirmasens-Feuerwehr-offenbar-nicht-einsatzfaehig,freiwillige-feuerwehr-pirmasens-100.html 

 

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