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Zukunftskonzept der VG Nassau sorgt für Diskussionen

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VG Nassau. Die VG Nassau hat ein Zukunftskonzept für die Freiwilligen Feuerwehr beschlossen. Der Verbandsgemeinderat legte nun feste „Spielregeln“ für die örtlichen Feuerwehren fest. Diese wurden auch in Abstimmung mit den örtlichen Führungskräften der Feuerwehreinheiten festgelegt. So muss eine örtliche Einheit aus Gemeinden bis 150 Einwohnern mindestens eine Staffelstärke an Aktiven vorweisen, bis 1000 Einwohnern muss eine Gruppe vorgehalten werden. Die Stützpunkwehr hat ein Soll von 18 Personen und zwei Führungskräften zu erfüllen. Eine vakante Wehrführerstelle muss innerhalb von 6 Monaten neu besetzt werden.

Werden diese Kriterien nicht eingehalten ergeht ein „Blauer Brief“, so wird Bürgermeister Rau in der Rhein-Zeitung vom 02.04. zitiert. In diesem Fall gehe der erste Brief an die Feuerwehreinheit nach Hömberg. „Die Einheit bekommt ein Schreiben, dass sie sich bemühen möge, über den Strich zu kommen“, sagte Rau in der Ratssitzung. Auch in Geisig und Schweighausen, mit je zwölf Aktiven werde es langsam eng, schreibt die Rhein-Zeitung weiter.

„Die genannten Mindestanforderungen seien für einen geordneten Feuerwehrdienst sicherlich als Untergrenze anzusehen und stellen keine Überforderung dar“, so das Zitat weiter. Der neue Ton aus dem Rathaus kommt jedoch bei den Feuerwehrleuten im Nassauer Land nicht gut an. Einer örtlichen Wehr einen „blauen Brief“ zu schicken und diese Aufzufordern für neues Personal zu sorgen, sei schon fast unverschämt. Schließlich hat der Aufgabenträger selbst, also damit Bürgermeister Rau und seine Verwaltung, für die Aufstellung und Ausstattung einer Feuerwehr zu sorgen.

In den vergangenen Tagen kamen wir mehrfach mit Feuerwehrkameraden aus der VG Nassau und anderen VGen im Kreis ins Gespräch. Verständnis für die Regelungen wurde gezeigt, nicht aber für die Vorgehensweise gegenüber den Ehrenamtlichen. Insbesondere dass man auch noch namentlich Einheiten an den „Pranger“ stellt, wurde nicht gut aufgenommen.

Kalrheinz Hartenfels aus Lollschied, altgedienter Feuerwehrkamerad, schrieb einen Brief an den Verbandsbürgermeister im Nassauer Rathaus, der rheinlahn.de vorliegt und veröffentlich werden darf. Nachstehend einige Auszüge aus dem Brief.

Sehr geehrter Herr Rau,

Das im VG-Rat beschlossene Zukunftskonzept habe ich mit großem Interesse, jedoch auch mit großer Verwunderung gelesen. Gestatten Sie mir hierzu einige persönliche Anmerkungen:

Sie als Bürgermeister sind, nach dem LBKG, alleinig verantwortlich für den Brandschutz und die allgemeine Hilfe in der Verbandsgemeinde Nassau. Hierzu gehört unter anderem eine den örtlichen Gegebenheiten und deren Bedürfnissen, sowie mit den jeweiligen Risiken abgestimmte, gut aufgestellte und ausgestatte Feuerwehreinheit. – Stichwort: Einsatzgrundzeit / Einhaltung der Hilfsfrist!

Die nach dem Gesetz auferlegten hoheitlichen Aufgaben können Sie derzeit noch mit ehrenamtlichen und freiwilligen Helferinnen und Helfer an 365 Tagen bei 24 Stunden, zum Nulltarif, sicherstellen.

Ich stimme Ihnen zu, dass jede Feuerwehreinheit durch eine geeignete Führungskraft geleitet, und über eine ausreichende Mannschaftsstärke verfügen sollte.

Zur Aufrechterhaltung der gesamten Einsatzstärke, die Sie zur Erfüllung Ihrer Aufgaben im Brandschutz und in der allgemeinen Hilfe in der VG benötigen, sind jedoch Sie in erster Linie aufgefordert dies sicherzustellen! Sie sind m.E. hierzu gut beraten, dass Ehrenamt und somit die freiwilligen Helferinnen und Helfer zu unterstützen, zu fördern und zu motivieren, und dass auf der gesamten Feuerwehrlinie, um die Ihnen gestellten Aufgaben bewältigen zu können.

Androhungen zur Aufhebung und/oder Zusammenlegung ganzer Einheiten durch „Blaue Briefe“ sind nicht geeignet, um Ihren Auftrag im abwehrenden Brandschutz und der allg. Hilfe zu gewährleisten.„Blaue Briefe“ sind kontra produktiv und demotivierend, denn sie treffen die Falschen! Das Ergebnis könnte sein: „Die Sirenen rufen – und keiner kommt mehr.“

So wie Karl-Heinz Hartenfels aus Lollschied denken viele Feuerwehrkameraden und wünschen sich hier eine Klarstellung. Rheinlahn.de hat in der vergangenen Woche einige Fragen an Herrn Rau geschickt, die sich auf die Aussagen in der Rhein-Zeitung beziehen. Sobald uns die Antworten vorliegen werden wir diese zum Artikel veröffentlichen.

Den „schwarzen Peter“ alleine den örtlichen Feuerwehren in die Schuhe zu schieben, wenn eine Einheit aufgelöst oder zusammengelegt werden muss, kann nicht die Lösung sein. Ein Hilfsangebot an bedrohte Wehren, wie man den Personalmangel abstellen kann, ist jedoch nicht festzustellen. So sagte Rau gegenüber der Rhein-Lahn Zeitung, man versuche mit „intensiver Jugendarbeit“ dem Problem zu begegnen. Vermutlich ist damit die Arbeit der örtlichen Jugendfeuerwehren gemeint.
Von Seiten der VG würde man ja bereits Ausrüstung, Fahrzeuge und Gerätehäuser zur Verfügung stellen. Direkte Unterstützung neben den Pflichtaufgaben ist das nicht. Ferner spricht Rau noch davon, das man seitens der Verwaltung „die Stärke der Einheiten kontrollieren und fällige Konsequenzen durchsetzen wird“. „Wenn es nicht fruchtet, droht die Zusammenlegung oder Auflösung“, so Rau gegenüber der RLZ. Wem er damit droht, bleibt jedoch offen. Ob er sich, die Bürger oder die betroffenen Mitglieder einer Wehr meint, bleibt im Unklaren.

Nach einem Ehrenamt was Spass macht, hören sich diese Aussagen jedoch nicht an. Darüber hinaus kann im Sinne des Landesgesetzes eine notwendige Feuerwehr nicht einfach aufgelöst oder zusammengelegt werden. Wären nicht mehr genügend freiwillige zur Erfüllung der Aufgaben da, droht nach Gesetz die sog. „Pflichtfeuerwehr“ und ob dies für die Gemeinde ein probates Mittel wäre um eine leistungsfähige Feuerwehr aufstellen, möge jeder für sich selbst bewerten.

 

 

Michael Dexheimer / Stefan Jurgahn

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1 Kommentar

  1. Feuerwehrmann Sam am

    Es wäre schön, wenn Herr Rau mal offen legen würde, wie die „intensiver Jugendarbeit“ aussieht. Besonders, wie die finanzielle Unterstützung der Jugendarbeit aussieht. Neben engagierten Betreuerinnen und Betreuer bedarf es auch finanzieller Unterstützung um eine intensive Jugendarbeit auf die Beine zu stellen. Mit den von der Verwaltung zur Verfügung gestellten Finanzmitteln lässt sich die besagte intensive Jugendarbeit nicht bewerkstelligen. Ohne die finanzielle Unterstützung durch Fördervereine oder Mannschaftskassen wäre eine Jugendarbeit in vielen Jugendfeuerwehren der Verbandsgemeinde Nassau sicherlich nicht möglich.

    Es ist für jeden Feuerwehrangehörigen der Verbandsgemeinde Nassau beschämend, dass Herr Rau offensichtlich davon ausgeht, dass man in den Gerätehäusern sitzt und tatenlos zusieht, wie immer mehr Spinde leer stehen. Herr Rau nimmt scheinbar auch an, dass die Kameradinnen und Kammeraden nicht von selbst auf die Idee kommen ihre Mitmenschen in der Gemeinde auf den Feuerwehrdienst anzusprechen und quasi scheinbar nur darauf warten, dass sie aufgelöst oder zusammengelegt werden. Statt den betroffenen Kameradinnen und Kammeraden angesprochene Blaue Briefe zu schicken, sollte man ihnen lieber eine Dankesurkunde zukommen lassen, denn schließlich sind sie offensichtlich die einzigen, die sich in den betroffenen Gemeinden ehrenamtlich in der Feuerwehr engagieren. Sie mit Blauen Briefen zusätzlich unter Druck zu setzen ist der falsche Weg! Die Kameradinnen und Kammeraden können sicherlich am wenigsten dafür, dass sich die Gesellschaft im Wandel befindet und immer weniger Menschen sich ehrenamtlich engagieren. Es scheint so, als hätte Herr Rau selbst auch keine Antworten auf solch gesellschaftlichen Fragen und versucht sich aus der Verantwortung zu ziehen, indem er die örtliche Wehr mit der Lösung dieser Fragen beauftragt und zugleich Konsequenzen androht, falls sie an der Fragestellung scheitern. Ich hätte mir gewünscht, dass Herr Rau als Chef der Feuerwehren der Verbandsgemeinde Nassau und somit letztlich auch als alleiniger Verantwortlicher, als Ansprechpartner für Mitgliederschwache Wehren in Erscheinung tritt. Der Richtige Weg wäre doch gewesen, wie können wir euch helfen die Mitgliederzahlen zu erhöhen. Was können wir als Verbandsgemeinde, als Gemeinde als Wehr tun um die Situation zu verbessern. Das Motto sollte lauten, wir ziehen gemeinsam an einem Strang. Aus Sicht von Herrn Rau scheint die Angelegenheit aber damit erledigt zu sein, einen Blauen Brief zu verschicken, abzuwarten und sofern die Wehr es nicht schafft neue Mitglieder zu gewinnen, die Einheit mit einer anderen Einheit zusammenzulegen. Ob der im Nassauer Rathaus eingeschlagene Weg den sinkenden Mitgliederzahlen entgegenwirkt bleibt abzuwarten. Eins steht aber schon heute fest. Zur Motivationssteigerung in den betroffenen Einheiten trägt er nicht bei.

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